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Tanzperformances und Gastredner

Beim letzten Mal hatte ich zwar angekündigt, die Frequenz der Blogsposts zu erhöhen, letztendlich folgt jetzt aber mein neuer Eintrag wieder genau nach der gleichen Zeitspanne wie der letzte, nämlich 2 Wochen.

Inzwischen geht das Semester wirklich seinem Ende entgegen, nächste Woche ist schon meine letzte Unterrichtswoche an der ICU, bevor am übernächsten Montag schon Prüfung (Japanisch) sowie Abgabetermin meiner beiden Abschlussarbeiten (Japanisch und Sociologie) anstehen. Ebenso werde ich mich nächsten Mittwoch zum letzten Mal mit Tsudzumi, meiner Konversationpartnerin, die ich schon seit dem Herbstsemester habe, treffen. Auch das Tennistraining ist schon vorbei, wobei natürlich noch die Sommerfahrt (jap. 夏合宿natsugasshuku) ansteht.
Vor zwei Wochen, also der Woche nach meinem letzten Eintrag, hatte ich 2 Tanzperformances zu absolvieren. Am Montagabend hatte uns die sogenannte Spanish speaking society der ICU gebeten auf ihrer latin night ein paar Lateinamerikanische Tänze vorzuführen, weswegen wir einen klienen Auftritt mit Rumba und ChaChaCha hatten. Der bedeutendere Auftritt, für den meine Tanzpartnerin Maddy und ich schon die Woche davor quasi täglich geübt hatten, stand am Donnertag an. Maddy, eine Amerikanerin aus Vermont, musste für ihre Uni 100 Stunden Volunteering ableisten (weswegen auch einmal ein lustiger Wortwechsel entstand; ich traf sie zufällig als sie grade zum Volunteering fuhr und wir unterhielten uns kurz bevor sie sagte „I have to go volunteering now“ was ich angesichts des Wortes recht ironisch fand, aber anscheinend müssen alle amerikanischen Studenten ähnliche Pflichten ableisten). Besagtes Volunteering war in ihrem Fall in einem Altersheim, oder eher einer Einrichtung in der sich alte Leute treffen. Zum Abschluss ergab es sich dann, dass sie um eine Tanzperformance gebeten wurde, und da ich so ziemlich der einzige verfügbare geeignete männliche Partner war, fragte sie mich ob ich ihr dabei helfen könnte. Unser Programm sollte ursprünglich nur aus vier Tänzen bestehen, allerdings wurde dann kurzfristig noch auf 7 aufgestockt. Der Auftritt lief ganz gut, wenn auch nicht fehlerfrei, aber da wir keine Routinen tanzten sondern frei, ließen sich Fehler einigermaßen gut kaschieren.
In der Pause, nach den ersten vier Tänzen wurde ich von einer der Betreuerinnen ausgefragt, anscheinend war ich der erste Deutsche, der in die Einrichtung kam. Dabei merkte ich wie frei und ohne Probleme ich inzwischen auch spontan Japanisch sprechen kann. Bis auf ein Wort, das ich nicht recht verstand, konnte ich flüssig und ohne zu stocken antworten.
Ansonsten gab es in der Woche noch den Besuch eines recht berühmten Professors der Soziologie, von dem unser Professor schon das ganze Semester geschwärmt hatte, und der einen Gastvortrag in meinem Kurs und einen öffentlichen Vortrag hielt. Allerdings fand ich ihn zumindest als Vortragenden deutlich schlechter als unser ICU Professor, denn er neigte sehr zum Wiederholen von Argumenten und ließ sich immer sehr lange über einen Aspekt seiner Rede aus.
Letzte Woche startete am Montag mit dem sogenannten Retest, das heißt wir mussten den Einstufungstest, den wir ganz am Anfang angetreten hatten noch einmal beantworten. Dieses Mal gab es nicht wirklich Fragen die ich nicht beantworten konnte, allerdings fällt mein Ergebnis wohl trotzdem schlechter aus als in den Richtigen Prüfungen, einfach weil ich multiple choice tests nicht gewohnt bin und sie mir auch nicht liegen.
Am Donnerstag gab es einen guest speaker in meinem Dolmetscheinführungskurs, eine Dolmetscherin, die aber hauptsächlich über Konzentration, Fokussierungsmethodik und ähnliches sprach.
Erwähnenswert ist vielleicht noch das Dormmeeting am Montagabend. Wie immer am ersten Montag des Monats versammelten wir uns um halb 10 im Gemeinschaftsraum, um eine Dreiviertelstunde voll unnötigen Planungsquatsch zu erdulden. Leider blieb es dieses Mal nicht dabei, denn ein neues Komitee sollte gewählt werden. Dass wir Austauschstudenten überhaupt dafür bleiben mussten, obwohl wir ja im nächsten Jahr nicht mehr da sein würden fand ich schon seltsam, viel schlimmer war aber wie unfassbar lange sich das ganze hinzog… Als erstes bedankten sich die amtierenden Komiteemitglieder (solch wichtige Funktionen wie Dormpräsident und Vizepräsident, Verwalter, Eventmanager tsurudaijin (was so viel heißt wie Minister des Gemeinschaftsraums der bei uns tsuru (Kranich) genannt wird) und ähnliches). Anschließend kam jeder Kandidat einzeln nach vorn um eine Rede zu halten. Abgesehen davon, dass die reden alle in etwa den gleichen Inhalt hatten zog das Übersetzen auch immer alles in die Länge. Der Gipfel war schließlich erreicht, als der Kandidat für den Dormpräsidenten fast 20 Minuten lang redete, gefolgt von weiteren 20 Minuten in denen ihm Fragen und Antworten gestellt wurden.
Letztendlich war ich um 23:50 erst wieder auf meinem Zimmer…

In der nächsten Woche werde ich wohl ob der ganzen Abschlussarbeiten keine Zeit für einen neuen Eintrag finden können, danach sollte sich das jedoch ändern.  

12.6.16 14:52, kommentieren

Kamakura, tennis und mehr

Wieder einmal sind 2 Wochen ins Land gegangen ohne dass ich geschrieben habe, was mir definitiv nicht so vorkam. Dieses Mal gibt es wieder mehr zu berichten, am letzten Wochenende verwirklichten Linus und ich endlich unseren Plan nach Kamakura zu fahren. Am Sonntag danach trafen wir uns mit den anderen Leuten aus der Fu (zugegeben natürlich nicht mit allen, sondern mit unserem Freundeskreis) das erste Mal seit wir alle hier sind. Gestern gab es ein Turnier von meinem Tennisklub mit anschließender Party.

Der letzte Eintrag stammt vom 15. Also einen Tag vor den Midterms. Diese liefen im Nachhinein ganz gut, allerdings war die Prüfung, wie auch die bisherigen Japanischprüfungen hier mal wieder von abartigem Zeitdruck geprägt. Im Leseteil hieß es dieses Mal, 2-mal je eine A4 Seite Aufgaben zu 2 verschiedenen, ebenfalls jeweils eine A4 Seite langen Texten zu bearbeiten. Die Zeitvorgabe dafür waren absurde 40 Minuten, die dann noch ein wenig extended wurden, als klar wurde, dass niemand die Aufgaben in der Zeit bewältigen würde. Außerdem gab es natürlich noch den obligatorischen Kanjiteil, und dieses Mal auch eine Höraufgabe.
In meinem Soziologiekurs behandelten wir die Theorie von Garfinkel (Symbolic interaction) behandelt, und in diesem Zusammenhang erhielten wir die Aufgabe eine sogenannte „breaching exercice“ durchzuführen. Dabei handelt es sich um die Idee, eine Soziale Norm zu verletzen, und dann die Reaktionen der Betroffenen zu observieren. Ziel ist es die Fragilität der Gesellschaft beziehungsweise die Allgegenwart von Normen zu verdeutlichen. Ich entschied mich letztendlich, in meinem nächsten Gespräch mit Jarmila eine Vielzahl von Fragen zu stellen, sie aber nicht antworten zu lassen, sondern nach ein paar Worten gleich die nächste Frage anzufangen…

Jetzt aber zu den am Anfang erwähnten Touren. A Samstag vor einer Woche, einem sehr sonnigen, schönen Tag, traf ich Linus in Shinjuku, um von dort aus mit dem Zug weiter nach Kamakura zu fahren. Bei Kamakura handelt es sich um eine ehemalige Shogunatsstadt (1185-1333), weswegen es natürlich einige Tempel und ähnliches zu sehen gibt. Außerdem liegt die Stadt südlich von Tokyo am Meer und besitzt auch einige Strände. Zudem erwies sie sich als eine ziemlich grüne, naturbetonte Stadt, in der es von steilküstenartigen Hängen bis Wald alles zu finden gab. (siehe Fotos^^)
Nachdem wir ankamen mieteten wir Fahrräder, um uns freier und schneller bewegen zu können. Der Laden verfügte aber nur noch über Mountainbikes, wodurch ich – so viel ich mich erinnern kann – zum ersten Mal in den Genuss kam ein solches zu fahren. Als ersten begaben wir uns an den Strand, wo wir sehr leckere große Maiskolben erwarben und hinunter zum Wasser gingen, dass sogar warm genug gewesen wäre um darin zu schwimmen. Über uns kreisten Adler, was wir ziemlich faszinierend fanden, denn diese Vögel aus so geringer Entfernung sehen zu können war schon irgendwie besonders. Noch besonderer wurde es, als 2 Adler sich entschlossen mich zu attackieren. Der erste kam völlig unvermittelt von hinten angeflogen und kratzte mit seiner ziemlich starken Kralle an meinem Gesicht herum. Der zweite entriss mir dann den Maiskolben, auf den wohl auch der erste scharf gewesen war, dieses Mal hielt ich das begehrte Objekt aber wohl wegen des ersten Angriffs weiter von mir weg, weshalb der 2. Ihn stehlen konnte.
Nach diesem sehr seltsamen Ereignis machten wir uns auf zum berühmten Daibustsu 大仏(große Buddhastatue hab eigentlich nur die Kanji dahinter geschrieben weil es sonst ein ganzer Eintrag ohne Japanische Schriftzeichen geworden wäre^^), die wir nach einigem entlangirren an der Küste irgendwann auch entdeckten. Sie steht in einem sehr schönen Garten/Park, und ist nicht, wie die Statue in Nara, von einem Tempel, sondern nur von Natur umgeben. Man hätte auch hineingehen können, allerdings führte die Schlange dafür schon einmal um die Statue herum, weswegen wir uns dagegen entschieden. Später gelangten wir noch an einen weiteren Tempel, dessen Name wir allerdings nicht weiter beachteten, und der von einem sehr schönen Park umgeben war. Der Eingang erwies sich auch als besonders fancy, man musste nämlich durch einen Tunnel im Berg gehen um zur Lichtung zu gelangen auf der der Tempel anzufinden war.
Am Sonntag ging es wieder nach Tokyo, diesmal zum Yoyogi Park, einem der beliebtesten Parks Tokyos, und an diesem sehr schönen Tag auch sehr gut gefüllt. Dort traf ich mich mit Linus, Alina, Kati und Robert, alles Kommilitonen von mir aus Berlin, und wir verbrachten den gesamten Vormittag, und ein gutes Stück vom Nachmittag mit quatschen. Dabei erfuhr ich, dass der Japanischunterricht an den anderen Unis scheinbar noch nerviger ist als bei mir…
Abends gingen wir noch in unser standart Okonomiyakirestaurant in Shinjuku.
In der folgenden Woche ist nicht wirklich viel passiert, außer dass ich mich recht oft zum Tanzen getroffen habe, da am Donnerstag (der kommenden Woche also am 2.6.) der Auftritt von Maddy und mir in ihrem Volunteering-Ort (ein Altersheim) ist.
Gestern, am Samstag gab es endlich die lang ersehnte Footloose Open (Footloose ist der Name des Tennisklubs in dem ich bin). Dabei handelte es sich um ein Doppelturnier, in dem alle anwesenden in 2 Teams aufgeteilt wurden und jeder 2 Matches mit unterschiedlichen Partnern gegen unterschiedliche Gegner spielte. Das Team mit den meisten Siegen gewann am Ende. Das ganze Begann um 8:30 was ganz schön grausam war für einen Samstag.
Ich wurde mit 2 recht erfahrenen Mädchen gematched, und konnte ein Spiel für mich entscheiden während wir das andere sehr knapp verloren. Allerdings bestand das gegnerische Doppel auch aus einem der besten Spieler des Klubs und einer erfahrenen Spielerin. Mein Team gewann am Ende deutlich mit 18:11, allerdings zog sich das Ganze für meinen Geschmack zu lange hin, und man hatte zu viele Wartezeiten, da wir leider nur 2 Courts zu Verfügung hatten. Außerdem zog ich mir einen schlimmen Sonnenbrand zu, obwohl von der Sonne den ganzen Tag nichts zu sehen war… Wahrscheinlich manifestierte sich da die höhere UV Belastung in Japan.
Abends ging es dann nach Kichijouji, in eine Art Bar/Partyplatz, wo uns ein ganzes Stockwerk gehörte. Es gab jede Menge Essen und unbegrenzt Getränke. Der Raum wurde schnell erfüllt von sehr vielen Unterhaltungen, und es wurde schwer noch irgendetwas zu verstehen, ob der Geräusche die den ganzen Raum erfüllten.
Inzwischen sind es unter 40 Tage die ich noch in Japan habe, und davon fahre ich ja auch noch einmal 4 nach Korea, weshalb ich mich bemühen werde die Frequenz der Einträge wieder etwas zu erhöhen.

PS: Denkt dran: Es gibt viele schöne Bilder, die ihr durch nur einen Klick auf den Link namens Photos!! auf der linken Seite bestaunen könnt...

1 Kommentar 29.5.16 14:08, kommentieren